Erstattungsdebatte: Fakten zur Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen
Auf der jüngsten Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen vom 28. bis 30. November 2025 in Hannover wurde in einer intensiven, innerparteilichen Diskussion eine Position beschlossen, die sich gegen die Erstattung von Homöopathie als freiwillige Zusatzleistung durch die gesetzlichen Krankenkassen richtet.
Politische Beschlüsse dieser Art sind Teil demokratischer Meinungsbildung und spiegeln innerparteiliche Debatten wider. Ob und in welcher Form daraus konkrete Gesetzesinitiativen entstehen, ist nach Parteitagen grundsätzlich offen und hängt auch von künftigen Mehrheitsverhältnissen sowie Regierungsbeteiligungen ab.
Beim Beschluss in Hannover handelt es sich also nicht um ein Verbot der Homöopathie, sondern um eine politische Debatte über die Frage der Erstattung im System der gesetzlichen Krankenversicherungen. Inwiefern dieser Beschluss Signalwirkung entfaltet, ist offen. Die Befürworter berufen sich auf das Entscheidungskriterium der Evidenz: „Die Solidargemeinschaft soll nicht für Therapien aufkommen, deren Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus wissenschaftlich nicht belegt ist“.
Evidenzbasierte Medizin (EbM) basiert jedoch auf drei wesentlichen Grundprinzipien:
- Wissenschaftliche Evidenz durch Studien und Literatur
- Klinische Erfahrung und Expertise des Therapeuten
- Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erfahrungen des Patienten
Das bedeutet: Der Beschluss fokussiert sich ausschließlich auf einen Teil der evidenzbasierten Medizin und berücksichtigt nicht die beiden anderen Ebenen (klinische Erfahrung und Patientenbedürfnisse).
Unabhängig von dieser politischen Bewertung zeigt das empirische Gutachten zum Heilpraktikerwesen, dass Homöopathie Teil der beruflichen Praxis ist: 49 % der befragten Heilpraktiker geben an, Homöopathie als eine von mehreren Behandlungsmethoden anzuwenden.
Ergänzend dazu verdeutlicht eine repräsentative Forsa-Umfrage aus 2020, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung Homöopathie nutzt oder ihr offen gegenübersteht.
Mit dem Beschluss auf dem Bundesparteitag schlägt die Partei einen neuen Kurs in der Erstattungsdebatte ein. Inwiefern sich die Position bis zur nächsten Wahl hält, bleibt nach zahlreichen öffentlichen Reaktionen offen.
taz – Grüne sagen „Nein“ zu Globuli & Co.
Bedeutet evidenzbasierte Medizin wissenschaftliche Medizin?
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