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Studie: Bestimmte Antibiotika verändern die Darmflora noch 4-8 Jahre

Dass Antibiotika die mikrobielle Vielfalt reduzieren, ist bekannt. Bisher ging man davon aus, dass sich der Darm weitgehend innerhalb von Monaten wieder regeneriert, oft nahe dem Ausgangszustand nach 6-12 Monaten. Vereinzelt wurde in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass einige Arten langfristig verändert bleiben (z.B. nach Ciprofloxacin).
  

Eine große aktuelle Studie (Nature medicine 2026) kommt nun zu dem Schluss: Antibiotika hinterlassen ihre Spuren länger als gedacht. Die stärksten Veränderungen im Darmmikrobiom traten im ersten Jahr nach der Einnahme auf. Aber auch nach 1-4 und sogar nach 4-8 Jahren waren noch messbare Unterschiede in der Zusammensetzung vorhanden.
 
Nicht alle Antibiotika wirkten gleich. Besonders auffällig waren Clindamycin, Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin) und Flucloxacillin. Diese standen mit den stärksten und langfristigsten Veränderungen im Mikrobiom im Zusammenhang. 

 

Video der Frankfurter Rundschau: Antibiotika schädigen die Darmflora noch nach 8 Jahren (1 Min. 17)

https://www.fr.de/wissen/antibiotika-schaedigen-die-darmflora-noch-nach-acht-jahren-94225717.html#google_vignette

 

Andere Antibiotika wie das bekannte Penicillin V oder Nitrofurantoin zeigten deutlich geringere Effekte.
 
Schon eine einzige Antibiotikakur kann ausreichen.
 
Selbst Menschen mit nur einer einzigen Antibiotikatherapie in den letzten Jahren zeigten messbare Veränderungen im Darmmikrobiom – teilweise noch Jahre später.
 
Ausgewertet wurden die Daten von fast 15.000 schwedischen Erwachsenen. Dabei wurden Antibiotika-Verschreibungen über 8 Jahre mit der Zusammensetzung des Darmmikrobioms
in Beziehung gesetzt.
 
Die Daten deuten darauf hin, dass die schnellste natürliche Erholung in den ersten zwei Jahren nach der Antibiotikaeinnahme stattfindet, während der Prozess in den darauffolgenden Jahren deutlich langsamer verläuft.
 
Da eine verringerte Diversität im Darm mit Gesundheitsrisiken wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) verknüpft ist, diene ein bewusster Umgang mit Antibiotika der langfristigen Gesundheitsvorsorge.
 
Ziel der Autoren sei es, dazu beizutragen, zukünftige Empfehlungen zum Antibiotikaeinsatz zu verbessern, was insbesondere dann gelte, wenn es die Wahl zwischen zwei gleich wirksamen Antibiotika gebe, von denen eines einen geringeren Einfluss auf das Darmmikrobiom habe.
 
Was die Studie nicht liefert, sind Empfehlungen, wie die Erholung des Mikrobioms unterstützt werden kann.

Der Darm bleibt ein zentraler Ansatzpunkt naturheilkundlicher Therapie.

 


Pharmazeutische Zeitung: Zahnmedizin – Clindamycin ist „out“

zm online: Warum Clindamycin weiterhin so häufig verschrieben wird

Pharmazeutische Zeitung: Ibuprofen und Co. – Schmerzmittel könnten Antibiotikaresistenzen begünstigen

Gelbe Liste: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolonen - Oktober 2020

DocCheck: S. aureus – Hat Flucloxacillin ausgedient?

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